metasprache

das auto springt an (beim dritten versuch). der grieche, der einmal brite war, grinst uns im rückspiegel hinterher. du summst wonderwall im halbschlaf: eine wellenbewegung, die irgendwo unter meiner wirbelsäule beginnt. ich sehe dich, deinen atem, und etwas zwischen uns: galaxiehaufen, sternencluster, die rotverschiebung, all das spiegelt sich in den beschlagenen scheiben…

wir wachen auf. 4 uhr morgens, kälte liegt uns tief in den lungen, um mitternacht die letzte schleuse passiert: tegel, münchen, madrid. es sind all diese namen: du legst deine blosse handfläche mir in den nacken: etwas das zwischen den rippen liegt…knochen, die an ihren platz rücken, wie gletscher…

 

nachgedanken

 

ich sehe dich einmal im zug, jahre später (wieviele?), wie du einsteigst, am enderen ende des wagens. deine haare kürzer, wie damals. beim nächsten halt stehe ich auf, gehe die sitzreihen entlang, graue stoffbezüge; dichtes fell unter meinen fingern. ich stelle mir den moment vor: ich stehe vor dir, dein gesicht offen, etwas in den augen, das sucht, und dann die lautsprechanlage…
 

verlorene fragmente: schwarzer basalt, beim aufstieg rutscht einem der fuss ab, die überreste einer anderen welt, alles in den schuhen. weisses moos, kalk, kleine büsche, an den wir uns hochziehen. die stille oben dann, der wind, der uns den atem nimmt, das hemd vom körper schält und trotzdem, deine hand: die innenseite einer muschel, dunkler um die augen. wie soll man etwas beschreiben, dass man nicht vollständig begreift, nur aufnimmt? der körper ein schwamm in diesen momenten, löschpapier. wo anfangen, bei der materie? aber aus welcher art materie bestehen erinnerungen?

 

so stehe ich da, mund offen, die stimme aus dem lautsprecher längst verklungen, und merke erst jetzt, dass es nicht du bist, die mich überrascht anschaut, es sind nicht deine hände, gelenke auf die ich starre…

 

an der sehne des wassers

wochen später: verkrustete seiten. der schorf an meinen händen, am lenkrad, am abend: lake michigan. ein steg aus betonplatten führt in einen see hinaus. gischt, links und rechts, und auch der wind. der wind…

kein anderer mensch weit und breit. das wasser kalt: nach ein paar meter spüre ich meine füsse nicht mehr. ich habe schuhe, socken, die kamera in die jacke gewickelt und trage sie vor mir her. es ist sieben uhr abends, als ich die spitze erreiche.

ich bilde mir den salzgeruch ein, wie alles hier. hinter mir: fussabdrücke auf dem nassen stein, auf den stahlplatten vor mir. ich sollte einen brief schreiben, eine nachricht an jemanden, dass es mir gut geht, dass es geht…aber wohin?

 

der see ~ die see